Wer ein Einzelteil auf Maß fertigen lassen möchte, steht oft vor einer einfachen Frage: Was muss ich dem Lohnfertiger eigentlich mitgeben, damit er sofort loslegen kann? Die Antwort ist weniger kompliziert, als viele denken, aber sie verlangt Sorgfalt. Unvollständige Unterlagen, fehlende Toleranzangaben oder unklare Materialspezifikationen führen zu Rückfragen, Verzögerungen und im schlimmsten Fall zu Teilen, die nicht passen. Dieser Artikel zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was ein Fertigungsauftrag braucht, um reibungslos zu laufen.
Von den Grundlagen der Zeichnungsangaben über die richtige Materialspezifikation bis hin zu typischen Fehlern bei der Auftragsübergabe: Sie erhalten einen praxisnahen Überblick, der Ihnen hilft, Ihre Anfragen besser zu strukturieren und Ihre Lieferzeiten zu verkürzen.
Was ein Lohnfertiger vor dem ersten Span braucht
Bevor eine CNC-Maschine auch nur einen Span abnimmt, braucht der Lohnfertiger eine vollständige Informationsbasis. Diese Basis besteht aus drei Kernbestandteilen: einer technischen Zeichnung, einer Materialdefinition und einer klaren Stückzahlangabe.
Ohne diese drei Elemente kann kein seriöser Fertigungsbetrieb ein verbindliches Angebot erstellen. Die Zeichnung beschreibt die Geometrie, das Material bestimmt den Bearbeitungsaufwand, und die Stückzahl beeinflusst die Wahl der Fertigungsstrategie. Für ein Einzelteil gelten andere Überlegungen als für eine Kleinserie von 500 Stück.
Zum Beispiel: Ein Einzelteil aus gehärtetem Werkzeugstahl erfordert andere Werkzeuge, Schnittparameter und möglicherweise eine andere Maschinenauswahl als dasselbe Teil aus Aluminium. Wer diese Angaben von Anfang an liefert, spart sich und dem Lohnfertiger wertvolle Zeit.
Welche Zeichnungsangaben wirklich entscheidend sind
Eine technische Zeichnung ist mehr als eine Skizze. Sie ist das zentrale Kommunikationsmittel zwischen Ihnen und dem Fertigungsbetrieb. Damit sie ihren Zweck erfüllt, muss sie bestimmte Angaben enthalten, die für die CNC-Fertigung direkt relevant sind.
Toleranzen und Passungen
Toleranzangaben legen fest, wie genau ein Maß eingehalten werden muss. Ohne diese Angaben arbeitet der Lohnfertiger nach allgemeinen Normtoleranzen, was für viele Anwendungen ausreicht, für funktionskritische Bereiche aber zu ungenau sein kann. Geben Sie Toleranzen dort an, wo sie für die Funktion des Teils relevant sind, und lassen Sie unkritische Bereiche mit Allgemeintoleranzen nach ISO 2768 laufen.
Oberflächenrauheit und Referenzflächen
Die Oberflächenrauheit (angegeben als Ra-Wert) beschreibt, wie glatt eine Fläche sein muss. Für Dichtflächen, Lagersitze oder Gleitflächen ist dieser Wert funktionskritisch. Ebenso wichtig sind eindeutige Referenzflächen und Datumspunkte, damit der Lohnfertiger das Teil korrekt einspannen und messen kann.
- Alle funktionskritischen Maße mit Toleranzangaben versehen
- Oberflächenrauheit an relevanten Flächen angeben (Ra-Wert)
- Datumspunkte und Referenzflächen klar kennzeichnen
- Gewindespezifikationen vollständig angeben (Typ, Steigung, Tiefe)
- Zeichnungsformat und Maßstab eindeutig definieren
Material und Oberflächenbehandlung richtig spezifizieren
Die Materialangabe ist eine der häufigsten Schwachstellen in Fertigungsunterlagen. Eine Angabe wie „Stahl“ oder „Aluminium“ reicht nicht aus. Der Lohnfertiger benötigt die genaue Werkstoffbezeichnung nach Norm, weil sich verschiedene Legierungen in Bearbeitbarkeit, Festigkeit und Wärmebehandlungsverhalten erheblich unterscheiden.
Geben Sie den Werkstoff nach DIN, EN oder einer vergleichbaren Norm an, zum Beispiel „EN AW-6082 T6“ für eine hochfeste Aluminiumlegierung oder „1.4301“ für austenitischen Edelstahl. Wenn Sie unsicher sind, welcher Werkstoff für Ihre Anwendung geeignet ist, lohnt es sich, diesen Punkt vorab mit dem Lohnfertiger zu besprechen.
Oberflächenbehandlungen müssen ebenfalls vollständig spezifiziert werden. Dabei ist die Reihenfolge relevant: Wird ein Teil zunächst gefertigt, dann wärmebehandelt und anschließend beschichtet, können sich Maße durch den Prozess leicht verändern. Typische Verfahren, die Sie angeben sollten, umfassen:
- Eloxieren (Schichtdicke und Farbe angeben)
- Brünieren (für Korrosionsschutz bei Stahl)
- KTL-Beschichtung (kathodische Tauchlackierung)
- Wärmebehandlung (Härte, Verfahren und Zeitpunkt im Prozess)
- Galvanische Verfahren (Verzinken, Vernickeln usw.)
Häufige Fehler bei der Auftragsübergabe vermeiden
Selbst erfahrene Einkäufer und Konstrukteure übergeben gelegentlich Unterlagen, die Rückfragen erzeugen. Die gute Nachricht: Die meisten dieser Fehler folgen einem Muster und lassen sich mit etwas Vorbereitung vermeiden.
Ein verbreiteter Fehler ist die Übergabe von Zeichnungen ohne Revisionsstand. Wenn ein Teil mehrfach konstruktiv überarbeitet wurde, muss klar sein, welche Version gefertigt werden soll. Zeichnungen ohne Revisionsvermerk führen im schlimmsten Fall dazu, dass ein veralteter Stand gefertigt wird.
Weitere typische Fehler, die Sie vermeiden sollten:
- Fehlende Stückzahlangabe: Ohne Stückzahl kann kein Angebot kalkuliert werden.
- Unvollständige Gewindeangaben: Typ, Steigung und Tiefe müssen vollständig angegeben sein.
- Keine Angabe zur Wärmebehandlung: Ob ein Teil vor oder nach der Bearbeitung gehärtet wird, beeinflusst die Fertigungsstrategie grundlegend.
- Fehlende Angaben zu Einbaulage oder Funktion: Manchmal hilft ein kurzer Hinweis auf die Funktion des Teils, um Rückfragen zu vermeiden und bessere Fertigungsentscheidungen zu treffen.
- Zeichnungen als Bilddatei statt als PDF oder STEP: Für die CNC-Programmierung sind neutrale Formate wie STEP oder IGES nützlich, ergänzt durch ein bemaßtes PDF als Referenz.
Von der Anfrage zur fertigen Baugruppe: der Ablauf im Überblick
Ein strukturierter Fertigungsauftrag folgt einem klaren Ablauf. Wenn Sie diesen kennen, können Sie Ihre Unterlagen gezielt darauf ausrichten und den Prozess aktiv beschleunigen.
Der typische Ablauf in der Lohnfertigung sieht so aus:
- Anfrage mit vollständigen Unterlagen: Zeichnung, Werkstoff, Stückzahl, Oberflächenbehandlung und Wunschtermin.
- Angebotsprüfung und Rückfragen: Der Lohnfertiger prüft die Fertigbarkeit und klärt offene Punkte. Je vollständiger Ihre Unterlagen, desto kürzer diese Phase.
- Auftragsbestätigung: Nach Freigabe des Angebots beginnt die Fertigungsplanung.
- Fertigung und Zwischenkontrolle: Die Bearbeitung erfolgt nach Zeichnung, begleitet von Qualitätskontrollen.
- Abschlusskontrolle und Dokumentation: Vor der Auslieferung wird das Teil geprüft und, wenn vereinbart, ein Prüfprotokoll erstellt.
- Auslieferung: Das fertige Teil oder die Baugruppe wird geliefert, inklusive aller vereinbarten Begleitdokumente.
Aufbauend auf allem, was bisher beschrieben wurde, lässt sich festhalten: Je strukturierter Ihre Anfrage, desto schneller und reibungsloser läuft dieser Prozess. Vollständige Unterlagen reduzieren Rückfragen, verkürzen die Angebotsdauer und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das fertige Teil beim ersten Versuch passt.
Wie Mematek bei der Einzelteilfertigung unterstützt
Wir wissen, dass hinter jedem Fertigungsauftrag ein konkreter Bedarf steht, oft mit engem Zeitplan und hohen Qualitätsanforderungen. Deshalb begleiten wir unsere Kunden von der ersten Anfrage bis zur Auslieferung des fertigen Teils.
Unsere Einzelteil- und Kleinserienfertigung bei Mematek deckt ein breites Spektrum ab, von einfachen Drehteilen bis zu komplexen 5-Achs-Geometrien. Was uns dabei konkret nützlich für Ihre Anforderungen macht:
- Neun CNC-Bearbeitungszentren mit bis zu 5 Achsen für präzise und flexible Fertigung
- Robotergestützte Zerspanung für skalierbare Stückzahlen bis 10.000 Teile
- Verarbeitung unterschiedlicher Werkstoffe inklusive Wärmebehandlung und Oberflächenveredelung (Eloxieren, Brünieren, KTL)
- Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9001:2015 in jedem Fertigungsschritt
- Ganzheitlicher Service aus einer Hand: Anfrage, Fertigung, Kontrolle und Auslieferung mit eigener Fahrzeugflotte
Wenn Sie ein Einzelteil auf Maß benötigen und wissen möchten, wie wir Ihren Auftrag umsetzen können, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
