Beim Rohmaterial für CNC-Frästeile sollte man in der Regel zwischen 0,5 mm und 3 mm Aufmaß pro Seite einplanen, abhängig von Werkstoff, Bauteilgröße, geforderter Oberflächengüte und davon, ob eine Wärmebehandlung vorgesehen ist. Als Faustregel gilt: Je komplexer die Geometrie und je enger die Toleranzen, desto mehr Aufmaß braucht man, um sicher auf Maß zerspanen zu können. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um das richtige Aufmaß beim Fräsen.
Wovon hängt das richtige Aufmaß beim Fräsen ab?
Das richtige Aufmaß beim CNC-Fräsen hängt von mehreren Faktoren ab: Werkstoff, Bauteilgröße, Toleranzanforderungen, Spannstrategie und davon, ob eine Wärmebehandlung oder Oberflächenbehandlung geplant ist. Es gibt keine universelle Zahl, sondern das Aufmaß muss auf den konkreten Fertigungsfall abgestimmt werden.
Grundsätzlich beeinflusst die Bauteilgröße das Aufmaß direkt. Größere Rohlinge verzeihen mehr Materialverlust beim Spannen und Ausrichten, während kleine Präzisionsteile mit minimalem Aufmaß auskommen müssen, damit das Rohmaterial wirtschaftlich bleibt. Auch die geforderte Oberflächengüte spielt eine Rolle: Teile mit Ra-Werten unter 1,6 µm brauchen einen separaten Schlichtgang, der ausreichend Material voraussetzt.
Hinzu kommt die Frage, wie viele Aufspannungen nötig sind. Bei mehrseitiger Bearbeitung oder 5-Achs-Simultanbearbeitung muss das Rohmaterial so dimensioniert sein, dass das Bauteil in jeder Aufspannung sicher gespannt werden kann, ohne dass Spannflächen in die Fertigmaße eingreifen.
Wie viel Aufmaß ist bei verschiedenen Werkstoffen üblich?
Bei Aluminium reichen in der Regel 1 bis 2 mm Aufmaß pro Seite. Stahl und Edelstahl benötigen wegen höherer Schnittkräfte und stärkerer Eigenspannungen im Rohmaterial häufig 2 bis 3 mm. Bei Kunststoffen genügen oft 0,5 bis 1 mm, da das Material weniger Verzug zeigt und leichter zu zerspanen ist.
Die Unterschiede erklären sich durch das Materialverhalten beim Zerspanen:
- Aluminium: Gut zerspanbar, geringer Werkzeugverschleiß, 1 bis 2 mm pro Seite sind in den meisten Fällen ausreichend.
- Baustahl und Vergütungsstahl: Höhere Eigenspannungen im Walzmaterial, Verzug beim Zerspanen möglich, 2 bis 3 mm empfohlen.
- Edelstahl (z. B. 1.4301, 1.4404): Neigt zu Kaltverfestigung, 2 bis 3 mm Aufmaß sichern ausreichend Schnitttiefe für saubere Spanbildung.
- Titan und Sonderlegierungen: Hohe Wärmeentwicklung, geringer Wärmeabtransport, mindestens 2 mm Aufmaß, um Werkzeugstandzeiten zu schonen.
- Kunststoffe (z. B. PA, POM, PEEK): Geringer Verzug, 0,5 bis 1 mm Aufmaß reicht in der Regel.
Bei Plattenmaterial aus dem Handel ist außerdem zu beachten, dass die Nennmaße oft Toleranzen von mehreren Zehntelmillimetern aufweisen. Das tatsächliche Aufmaß kann also kleiner ausfallen als geplant, wenn man diese Maßabweichungen nicht einkalkuliert.
Warum brauchen Teile mit Wärmebehandlung mehr Aufmaß?
Teile, die nach dem Fräsen gehärtet, vergütet oder nitriert werden, brauchen mehr Aufmaß, weil Wärmebehandlungen zu Verzug und Maßänderungen führen. Das Bauteil verändert beim Erwärmen und Abkühlen seine Form geringfügig, sodass anschließend noch Material für einen Fertigbearbeitungsgang vorhanden sein muss.
Wie viel zusätzliches Aufmaß nötig ist, hängt vom Wärmebehandlungsverfahren ab. Einsatzhärten und Durchhärten erzeugen stärkeren Verzug als Nitrieren oder Anlassen. Als Richtwert gilt: Nach dem Vorschruppen sollten für den Fertigbearbeitungsgang nach der Wärmebehandlung mindestens 0,3 bis 0,5 mm Aufmaß pro Seite verbleiben, bei größeren Bauteilen auch mehr.
Die sinnvolle Vorgehensweise ist daher: Rohmaterial mit ausreichend Aufmaß beschaffen, vorschruppen, wärmebehandeln und anschließend auf Fertigmaß schlichten. Wer diesen Schritt nicht einplant und das Bauteil bereits auf Fertigmaß fräst, riskiert nach der Wärmebehandlung Ausschuss, weil kein Material mehr für die Korrektur vorhanden ist.
Welchen Einfluss hat das Aufmaß auf Spannmittel und Rüstaufwand?
Das Aufmaß beeinflusst direkt, wie ein Bauteil gespannt werden kann und wie viel Rüstaufwand entsteht. Zu wenig Aufmaß zwingt dazu, Spannflächen in Bereichen zu wählen, die später auf Fertigmaß gebracht werden müssen, was entweder Umspannungen erfordert oder Spannmarken im Fertigteil hinterlässt.
Ausreichend Aufmaß gibt dem Zerspaner Spielraum, das Rohmaterial sicher und wiederholgenau einzuspannen, ohne Fertigflächen zu gefährden. Besonders bei der 5-Achs-Bearbeitung, wo das Bauteil in einer Aufspannung von mehreren Seiten bearbeitet wird, ist es wichtig, dass das Rohmaterial genug Material bietet, um stabile Spannpunkte zu definieren.
Zu viel Aufmaß erhöht dagegen die Maschinenzeit, den Werkzeugverschleiß und den Materialverbrauch. Gerade bei teuren Werkstoffen wie Titan oder Edelstahl summieren sich diese Kosten schnell. Das optimale Aufmaß ist also immer ein Kompromiss zwischen sicherer Spannbarkeit und wirtschaftlichem Materialeinsatz.
Was passiert, wenn das Aufmaß zu klein oder zu groß gewählt wird?
Zu kleines Aufmaß führt dazu, dass das Bauteil nach der Bearbeitung außerhalb der Toleranz liegt oder Rohhaut auf Fertigflächen verbleibt. Zu großes Aufmaß erhöht Maschinenzeit, Werkzeugverschleiß und Materialkosten unnötig. Beide Fehler verursachen Mehrkosten, wenn auch auf unterschiedliche Weise.
Im Detail entstehen bei zu kleinem Aufmaß folgende Probleme:
- Rohhaut oder Zunderschichten bleiben auf Funktionsflächen stehen.
- Maßabweichungen im Rohmaterial können nicht ausgeglichen werden.
- Nach einer Wärmebehandlung fehlt Material für den Fertigbearbeitungsgang.
- Spannmarken landen auf Fertigflächen, wenn keine geeigneten Spannflächen vorhanden sind.
Bei zu großem Aufmaß entstehen andere Nachteile:
- Längere Schruppzeiten erhöhen die Fertigungskosten.
- Mehr Werkzeugverschleiß, besonders bei harten oder zähen Werkstoffen.
- Höherer Materialverbrauch, der bei teuren Legierungen erheblich ins Gewicht fällt.
- Mehr Späne und damit höherer Entsorgungsaufwand.
Das richtige Aufmaß beim CNC-Fräsen ist daher keine Nebensächlichkeit, sondern hat direkten Einfluss auf Qualität und Wirtschaftlichkeit der Lohnfertigung.
Sollte das Aufmaß in der Zeichnung oder im Auftrag festgelegt werden?
Das Aufmaß sollte idealerweise im Auftrag oder in einer begleitenden Fertigungsanweisung festgelegt werden, nicht in der Zeichnung selbst. Die Zeichnung definiert das Fertigteil mit seinen Maßen und Toleranzen. Das Rohmaterialaufmaß ist eine Fertigungsinformation, die separat kommuniziert werden sollte.
In der Praxis gibt es zwei sinnvolle Wege:
- Der Konstrukteur gibt das Rohmaterialformat vor, zum Beispiel als Stangenmaterial oder Platte mit definierten Abmessungen. Der Lohnfertiger prüft, ob das Aufmaß ausreicht.
- Der Lohnfertiger wählt das Rohmaterial eigenverantwortlich auf Basis der Zeichnung und der Fertigungsanforderungen. Das setzt voraus, dass alle relevanten Informationen wie Wärmebehandlung, Oberflächenbehandlung und Toleranzklassen in der Zeichnung oder im Auftrag vollständig angegeben sind.
Wichtig ist, dass beide Seiten das Aufmaß vor der Fertigung abstimmen, besonders wenn teure Werkstoffe oder enge Toleranzen im Spiel sind. Unklare Vorgaben führen entweder zu Ausschuss oder zu unnötig hohen Materialkosten. Ein kurzes Abstimmungsgespräch vor der Auftragsvergabe spart in solchen Fällen Zeit und Geld.
Wie Mematek bei der Aufmaßplanung für CNC-Frästeile unterstützt
Die Wahl des richtigen Aufmaßes ist eine Frage der Erfahrung und des Fertigungs-Know-hows. Wir unterstützen Sie dabei von Anfang an, damit Ihr Rohmaterial weder zu knapp noch zu großzügig dimensioniert ist.
- Fertigungsgerechte Beratung vor der Auftragsvergabe: Wir prüfen Ihre Zeichnungen und Fertigungsanforderungen und geben konkrete Empfehlungen zum Rohmaterialaufmaß, abgestimmt auf Werkstoff, Toleranzen und geplante Wärme- oder Oberflächenbehandlungen wie Eloxieren, Brünieren oder KTL-Beschichtung.
- 5-Achs-Simultanbearbeitung für komplexe Geometrien: Unsere CNC-Bearbeitungszentren mit bis zu 5 Achsen erlauben es, Bauteile in einer Aufspannung von mehreren Seiten zu bearbeiten, was den Aufmaßbedarf reduziert und Spannmarken auf Fertigflächen vermeidet.
- Wärmebehandlung im Fertigungsprozess berücksichtigt: Wir planen Vorschrupp- und Fertigbearbeitungsschritte so, dass nach einer Wärmebehandlung ausreichend Material für den Schlichtgang verbleibt.
- Wirtschaftliche Einzelteil- und Kleinserienfertigung: Ob Einzelstück oder Kleinserie, unsere Einzelteil- und Kleinserienfertigung bei Mematek ist darauf ausgelegt, Materialverschnitt zu minimieren und Fertigungskosten im Rahmen zu halten.
Wenn Sie unsicher sind, welches Aufmaß für Ihr nächstes Bauteil sinnvoll ist, sprechen Sie uns gerne an. Kontakt aufnehmen und wir klären das gemeinsam vor der Auftragsvergabe.
