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CNC-Maschinenschraubstock wird auf Stahlwerkbank eingestellt, daneben gestapelte Aluminiumteile und eine Stoppuhr.

Umrüstzeiten in der Kleinserienfertigung: Warum sie den Stückpreis stärker beeinflussen als die Maschinenzeit

Gebhard Poggel ·

Wer Kleinserien kalkuliert, denkt zuerst an Maschinenzeit, Materialkosten und Werkzeugverschleiß. Doch in der Praxis zeigt sich immer wieder: Es ist die Umrüstzeit, die den Stückpreis in der Kleinserienfertigung stärker beeinflusst als jeder andere Einzelfaktor. Besonders bei kleinen Losgrößen verteilen sich die Rüstkosten auf so wenige Teile, dass selbst eine kurze Rüstzeit den Stückpreis spürbar nach oben treibt.

Dieser Artikel erklärt, wie Umrüstzeiten entstehen, wie sie rechnerisch auf den Stückpreis wirken und welche Stellschrauben Sie in der Praxis nutzen können, um Fertigungskosten zu optimieren. Sie lernen außerdem, welche Kalkulationsfehler bei Kleinserienaufträgen besonders häufig vorkommen und wie Losgrößen und Rüstkosten gemeinsam betrachtet werden sollten.

Was sind Umrüstzeiten und wie entstehen sie?

Umrüstzeiten, auch Rüstzeiten genannt, bezeichnen den Zeitraum zwischen der letzten guten Einheit einer abgeschlossenen Fertigung und der ersten guten Einheit der neuen Fertigung. In dieser Zeit läuft die Maschine, ohne produktive Teile herzustellen.

Die Ursachen für Rüstzeiten in der CNC-Fertigung sind vielfältig. Dazu gehören das Wechseln und Ausrichten von Spannmitteln, das Einlesen oder Anpassen von NC-Programmen, das Einmessen von Werkzeugen sowie das Einrichten von Nullpunkten und Koordinatensystemen. Hinzu kommen Wartezeiten auf Zeichnungen, Werkzeuge oder Materialien, die organisatorisch bedingt sind und sich nicht direkt aus der Maschinentechnik ergeben.

Ein konkretes Beispiel: Ein Bearbeitungszentrum wechselt von der Fertigung eines Aluminiumgehäuses auf ein Stahlbauteil mit anderen Spannmitteln und einem neuen NC-Programm. Der Maschinenbediener benötigt 45 Minuten, bis das erste Gutteil aus der neuen Serie läuft. Diese 45 Minuten sind Rüstzeit, unabhängig davon, wie schnell die Maschine danach arbeitet.

Wie Rüstkosten den Stückpreis rechnerisch beeinflussen

Die Rüstkosten entstehen durch die Multiplikation der Rüstzeit mit dem Maschinenstundensatz. Dieser Betrag ist fix, unabhängig davon, wie viele Teile anschließend gefertigt werden. Genau hier liegt der Hebel bei der Stückpreiskalkulation: Die Rüstkosten werden auf alle Teile der Serie verteilt.

Das lässt sich mit einer einfachen Formel verdeutlichen:

  • Rüstkosten gesamt: Rüstzeit (Stunden) x Maschinenstundensatz (Euro/Stunde)
  • Rüstkosten pro Stück: Rüstkosten gesamt geteilt durch die Losgröße
  • Stückpreis gesamt: Rüstkosten pro Stück + Maschinenzeit pro Stück + Materialkosten + sonstige Kosten

Nehmen wir an, die Rüstzeit beträgt 60 Minuten bei einem Maschinenstundensatz von 90 Euro. Das ergibt Rüstkosten von 90 Euro. Bei einer Losgröße von 5 Teilen entfallen 18 Euro Rüstkosten auf jedes Teil. Bei einer Losgröße von 50 Teilen sind es nur noch 1,80 Euro pro Stück. Die Maschinenzeit pro Teil bleibt in beiden Fällen identisch. Der Stückpreis unterscheidet sich dennoch erheblich, allein durch die Losgröße.

Warum die Maschinenzeit in der Kleinserie oft zweitrangig ist

In der Großserie dominiert die Maschinenzeit den Stückpreis, weil die Rüstkosten auf Tausende von Teilen verteilt werden und kaum ins Gewicht fallen. In der Kleinserienfertigung dreht sich dieses Verhältnis um.

Wenn eine Serie nur 10 oder 20 Teile umfasst, kann die Rüstzeit die gesamte Maschinenzeit der Serie übersteigen. Das Rüstzeit-Maschinenzeit-Verhältnis verschiebt sich dramatisch zugunsten der Rüstzeit. Eine Optimierung der Bearbeitungszeit um 10 Prozent spart dann vielleicht 30 Sekunden pro Teil. Eine Reduzierung der Rüstzeit um 20 Minuten spart hingegen mehrere Euro pro Stück, ohne dass die Maschine schneller laufen muss.

Der häufige Denkfehler lautet: „Wir müssen die Maschine schneller machen.“ Die richtige Frage in der Kleinserie lautet dagegen: „Wie kürzen wir die Zeit, bevor die Maschine überhaupt läuft?“

Rüstzeitoptimierung in der Praxis: Stellschrauben kennen

Rüstzeitoptimierung bedeutet nicht zwingend teure Investitionen. Oft lassen sich mit organisatorischen und methodischen Maßnahmen erhebliche Verbesserungen erzielen. Das Konzept des SMED (Single Minute Exchange of Die) unterscheidet dabei zwischen internen Rüstaktivitäten, die nur bei stillstehender Maschine möglich sind, und externen Aktivitäten, die parallel zum laufenden Betrieb vorbereitet werden können.

Konkrete Stellschrauben in der CNC-Fertigung sind:

  • Standardisierte Spannmittel: Nullpunktspannsysteme ermöglichen das Voreinrichten von Werkstücken außerhalb der Maschine und reduzieren die Einrichtzeit auf Sekunden statt Minuten.
  • Voreingestellte Werkzeuge: Werkzeuge werden außerhalb der Maschine auf Länge und Durchmesser eingemessen, sodass das Einmessen an der Maschine entfällt.
  • Gepflegte NC-Programme: Gut dokumentierte und getestete Programme müssen nicht bei jedem Auftrag neu angepasst werden.
  • Rüstpläne und Checklisten: Strukturierte Abläufe verhindern Suchzeiten und Fehler, die zu Nacharbeit und damit zu zusätzlichen Rüstschleifen führen.
  • Paralleles Rüsten: Während die Maschine noch das letzte Teil der alten Serie fertigt, werden Spannmittel und Werkzeuge für den nächsten Auftrag bereits vorbereitet.

Häufige Kalkulationsfehler bei Kleinserienaufträgen

Aufbauend auf dem Verständnis, wie Rüstkosten den Stückpreis beeinflussen, lassen sich typische Kalkulationsfehler benennen, die in der Praxis immer wieder auftreten.

Der verbreitetste Fehler ist das Vergessen oder Unterschätzen der Rüstzeit in der Angebotskalkulation. Wer die Rüstzeit nicht explizit als eigene Kostenposition ausweist, verteilt sie implizit auf die Maschinenzeit, was bei kleinen Losgrößen zu systematischer Unterkalkulation führt.

Weitere häufige Fehler sind:

  • Einheitsrüstzeit für alle Aufträge: Komplexe Bauteile mit mehreren Aufspannungen benötigen deutlich mehr Rüstzeit als einfache Teile. Eine pauschale Rüstzeit verzerrt die Kalkulation.
  • Keine Berücksichtigung von Wiederholaufträgen: Bei einem Wiederholauftrag mit vorhandenem NC-Programm und bekannten Spannmitteln sinkt die Rüstzeit erheblich. Wer das nicht einkalkuliert, verliert Aufträge an günstigere Anbieter.
  • Rüstkosten nicht separat ausweisen: Wenn Kunden die Kostenstruktur nicht verstehen, vergleichen sie nur den Stückpreis. Eine transparente Aufteilung in Rüstkosten und Stückkosten hilft, den Wert einer höheren Losgröße zu kommunizieren.

Losgrößen und Rüstkosten gemeinsam optimieren

Die Losgröße und die Rüstkosten stehen in einem direkten Wechselverhältnis. Wer beide Größen isoliert betrachtet, verpasst die wichtigste Optimierungsmöglichkeit in der Kleinserienfertigung.

Die wirtschaftliche Losgröße beschreibt den Punkt, an dem die Summe aus Rüstkosten pro Stück und lagerbedingten Kosten minimal ist. Wer die Losgröße erhöht, senkt die Rüstkosten pro Stück, erhöht aber gleichzeitig den Lagerbestand und die damit verbundenen Kapitalbindungskosten. Das optimale Verhältnis hängt von der Rüstzeit, dem Maschinenstundensatz, dem Materialwert und der Nachfragefrequenz ab.

Praktisch bedeutet das: Wenn Sie regelmäßig dieselben Teile in kleinen Mengen bestellen, lohnt es sich, gemeinsam mit dem Fertigungspartner zu prüfen, ob eine größere Bestellmenge den Stückpreis so weit senkt, dass die Mehrkosten durch Lagerhaltung überkompensiert werden. Umgekehrt kann eine gezielte Rüstzeitoptimierung beim Fertigungspartner dazu führen, dass auch kleine Losgrößen wirtschaftlich bleiben, ohne dass Sie größere Mengen bevorraten müssen.

Kleinserienfertigungskosten lassen sich also nicht nur durch schnellere Maschinen oder günstigere Materialien senken. Die Kombination aus kürzeren Rüstzeiten und bewusst gewählten Losgrößen bietet oft das größte Optimierungspotenzial.

Wie Mematek bei Umrüstzeiten in der Kleinserienfertigung unterstützt

Wir wissen aus täglicher Praxis, dass die Kalkulation von Kleinserienaufträgen nur dann funktioniert, wenn Rüstzeiten konsequent erfasst, optimiert und transparent kommuniziert werden. Genau das ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

Unsere Kleinserienfertigung bei Mematek ist darauf ausgerichtet, Rüstzeiten systematisch zu minimieren und die Kosten für Sie kalkulierbar zu halten:

  • Nullpunktspannsysteme und standardisierte Spannmittel ermöglichen schnelle Umrüstungen zwischen verschiedenen Bauteilen ohne Qualitätsverlust.
  • Gepflegte NC-Programme und Werkzeugdatenbanken sorgen dafür, dass Wiederholaufträge mit deutlich reduzierten Rüstzeiten abgearbeitet werden.
  • Transparente Angebotskalkulation mit separater Ausweisung von Rüst- und Stückkosten, damit Sie die Kostenstruktur Ihrer Aufträge verstehen und Losgrößen gezielt optimieren können.
  • Robotergestützte Zerspanung für skalierbare Fertigung, die auch bei wachsenden Stückzahlen wirtschaftlich bleibt.
  • Persönliche Beratung zur Losgrößenoptimierung, bei der wir gemeinsam mit Ihnen prüfen, welche Bestellstrategie den besten Stückpreis bei Ihrem spezifischen Teilespektrum erzielt.

Wenn Sie Ihre Fertigungskosten gezielt analysieren und Rüstzeiten als Stellschraube nutzen möchten, sprechen Sie uns an. Wir helfen Ihnen, die richtige Strategie für Ihre Kleinserie zu entwickeln. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.

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